
© 2026 Martin Frank
Für Peter Meyes
Frankfurt, neue Mainzer Strasse
In einem Eckbüro im einundfünfzigsten Stock eines Hochhauses in Frankfurt: das Hochhaus ist oval und das Büro des Vorstandsvorsitzenden eine runde Ecke. Es riecht nach professioneller Beduftung. Alle paar Meter unterbricht eine dicke weisse ovale Säule den Blick über Frankfurt-Süd, das grüner ist als ich erwartete. Der leicht zu reinigende stahlgraue Teppichboden signalisiert Teppichetage. Grosszügig ist nur die spiegelglatte, massiv Tropenholz Tischplatte des drei Meter breiten und sieben Meter langen pontonförmigen Besprechungstisches. Zwanzig mit schwarzem Leder bezogene Freischwinger laden ein, Frederick Werdlos zuzustimmen. Der Vorstandsvorsitzende sitzt mir gegenüber vor dem hellen Hintergrund des Frankfurter Himmels. Im Gegenlicht spiegelt sich auf der polierten Tischplatte der Umriss eines dicken Kopfes auf breiten massgeschneiderten Schultern wie ein Schattenriss aus der Goethezeit. An einer weissen Wand acht oder zehn Meter links von mir hängen grosse aluminium-gerahmte Fotos deutscher Panzer im Einsatz. Dass Panzer (und ihre Besatzungen, meist junge Männer aus der Unterschicht) im Kriegseinsatz gegen einen ähnlich starken Gegner nach durchschnittlich fünf Minuten vom Gegner ausgeschaltet werden, ist gut für den Umsatz (aber fatal für die jungen Männer). Frederick Werdlos sagt es nicht, aber aus seiner Stimme höre ich, Wenn wir das Drecksgeschäft nicht machen, machen es andere, und wir sichern Arbeitsplätze in Deutschland – Dafür wird er mit zehn Millionen Euro pro Jahr entschädigt. Aber wenn er nach dem Tod beispielsweise, – für jeden toten jungen Mann ein Jahr, – zehntausend Jahre in der Hölle schmort, ergibt das nur noch lumpige zehntausend Euro pro Jahr Inferno… lohnt sich das? Jeder ist seines Glückes Schmied!
Niklas Werdlos, der Neffe des Vorstandsvorsitzenden, ist in Mosambik während Verhandlungen, die offiziell nie stattgefunden haben, entführt worden, und ich soll diskret das Lösegeld übergeben und die Freilassung begleiten. Niklas wird angeblich in einem Kaff, das Mocímboa da Praia heisst, festgehalten. Weiss der Himmel, wie er dorthin gekommen ist! Empfohlen hat mich die Zürcher Zentrale der europäischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft TSW Traub Schaub Wehm, für die ich oft, wenn was schiefläuft, ermittle, ohne Polizei, Staatsanwaltschaft und Aufsichtsbehörden zu alarmieren. Albert Olbrecht, Leiter der TSW Frankfurt sitzt neben mir. Verrät das rot-grün-rote Bändchen an seinem rechten Handgelenk, dass er noch mit Ruslan, dem bildhübschen Transnistrier zusammen ist, den ich ihm im April vermittelte? Es wäre ein interessantes Geschäft, doch als gay Epstein hat heute nur noch Erfolg, wer hart arbeitet, was mir nicht liegt. Die Konkurrenz ist mörderisch.
Albert hat mich instruiert, den Mund zu halten. Obwohl ich vor ihm sitze, spricht der Vorstandsvorsitzende mit Albert über mich, als existiere ich nicht, denn Menschen wie mich will der Vorstandsvorsitzende weder sehen noch hören. Können Sie schweigen? Ich nicke.
Für den Auftrag bin ich hervorragend qualifiziert: Eins neunzig gross, full-contact muskulös, Schiess-, Selbstverteidigungs- und Nahkampftrainings. Ich kann mit einem Auto auf engem Raum mit Vollgas und auf der Bremse zugleich wenden. Dazu habe ich dank meinem afrikanischen Vater braune Haut. Prädestinieren mich ein Jahr Schweizer Schule in Accra, dass ich für Corpus Christi Fussball spielte und eine westafrikanische Sprache spreche, dafür, in Ostafrika mit mutmasslich islamistischen Terroristen zu verhandeln, die irritiert, dass der Sohn des Verteidigungsministers und der Neffe des Vorstandsvorsitzenden sich ihre Taschen mit Staatsgeldern füllen? Bewiesen ist nichts. Auf dem Spiel steht das Leben eines deutschen Waffenhändlers, auf den in Patrick Röhrigs Hair & Beauty Spa in Offenbach eine unschuldige, aber unattraktive Frau und im Freizeitpark Lochmühle zwei unschuldige, aber unerträgliche Kinder begleitet von einer attraktiven philippinischen Nanny mit Touristenvisum warten.
Das briefing für meinen Ausflug verbietet mir, die lokale Polizei und/oder die deutsche Botschaft zu kontaktieren. Dass man mir die Wahrheit sagt, erwarte ich nicht. Meine Aufgabe ist, Niklas Werdlos gegen Übergabe einer Million in alten Hundertdollarscheinen rauszuholen, ins nächste Flugzeug zu setzen, und dann zu verschwinden und zu vergessen. Damit ich keine Fragen stelle, winkt mir ein Erfolgshonorar von sechzigtausend Euro, bei Misserfolg dreissigtausend plus alle Spesen, Business und fünfstern. Gemäss den Amis und dem Auswärtigen Amt herrscht in Mocímboa Alarmstufe Orange: Mit lokalen Unruhen muss gerechnet werden. Von nicht-essentiellen Reisen wird abgeraten. Ob es mir dreissig oder sechzigtausend Euro bringt… ich freue mich auf das Abenteuer.
S Klasse
Ein blauer (blau ist die Firmenfarbe) Mercedes S Klasse bringt uns zum Flughafen. Unterwegs zählt Albert Ruslans Schwächen auf: statt Deutsch zu lernen, telefoniert Ruslan stundenlang mit seiner Mutter und seiner Schwester oder trifft sich mit transnistrischen und moldawischen escorts im Comeback (einer schwulen Bar); iPhone, iPods, LV-Gürtel und LV-Portemonnaie; teurer als ein regulärer Strichjunge; es geht Ruslan nur ums Geld. Und seine Stärken: Körper wie aus weissem Marmor; im Bett konkurrenzlos; kocht gut und räumt den Geschirrspüler ein und aus. Ruslan lebte zwei Wochen bei mir, bevor ich ihn ablieferte: ein von seiner Mutter und seiner älteren Schwester streng erzogener Musterschüler, Klassenbester von Religion bis Sport, fromm, dankbar, ehrlich. Mit sechzehn begriff Ruslan, dass Schwule in Transnistrien fehl am Platz sind. Damit er sich einen rumänischen Pass (mit angepasstem Geburtsjahr) verschaffen konnte, lieh sich seine Mutter von schlechten Bekannten Geld zu einem Wucherzins. In den Flixbus stieg Ruslan, um das geliehene Geld schnellstmöglich zurückzuzahlen und nachher eine anständige Arbeit zu suchen. Dass Ruslan gut aussieht, Sex liebt und von einem erfolgreichen jungen Manager wie Albert Olbrecht träumt … ist es eine Sünde?
Albert ist ein Schafskopf (Psychologen haben sicher einen Fachausdruck dafür), der den Sexpartner runter machen muss, um zu verdrängen, dass er mit dem Geliebten nicht teilen will. Schläft Ruslan in ein paar Wochen wieder auf meinem Sofa? Ich habe Ruslan wie besehen und zum Fixpreis abgegeben. Keine Rücknahme, keine Garantie.
Frankfurt Airport
Am Flugplatz verabschiedet sich Albert Olbrecht mit einem du armes Schwein Blick von mir. Möchte ich mit ihm tauschen?
Während ich in der Priority Lounge die gestressten Herren des gehobenen Managerelends beobachte, die, wenn sie nicht wichtige Geschäfte besprechen, sich mit der frustrierten Gattin austauschen, der die Felle davonschwimmen, oder mit einer jungen Frau, die schwört, nach Sex mit dem ausgepumpten Manager süchtig zu sein, während sie ihrem achtundzwanzigjährigen Zuhälter, der neben ihr im Bett liegt, den Mund zuhält, erlaube ich mir, mich vorzustellen:
Philip Etter, 34 Jahre alt, BA Wirtschaftswissenschaften. In der Uni verlor ich meine Zeit nicht in verschwitzten Hörsälen, sondern trainierte im Gym des Akademischen Sportvereins und verschiedenen Full-Contact Dojos. Bevor mein BA trocken war, übernahm ich die Wirtschaftsinformationsbude meines Onkels, für die ich seit der Matura free-lance gearbeitet hatte. Wirtschaftsinformationen… eine Privatdetektei mit drei MitabeiterInnen, die Angestellte beschattet, die Montag acht Uhr bis Freitag sechzehn Uhr krankfeiern, am Freitagabend mit Krücken tanzen und am Samstag ohne Krücken Fussball spielen; Bankprokuristen, die nachrichtenlose Konten nicht spurlos plündern; Führungskräfte, die in erstklassigen Restaurants mit der Konkurrenz plaudern, bevor sie gemeinsam einen Erotik-Klub besuchen. Wir klären ab, welchen harmlosen Lastern ChefbeamtInnen in Bern frönen und wovon die mausarmen Mitglieder von Kommissionen träumen, die über Hundert-Millionen-Aufträge entscheiden. Wünsche zu erfüllen, macht Spass! Weitgehend legale Arbeit für weitgehend ehrliche Menschen wie mich.
Meine Schwächen sind schnell aufgezählt: Ich ziehe ein paar Minuten Stress stundenlanger Arbeit vor. Nicht erwischt zu werden, ist mir wichtiger als korrekte Buchführung. Mit tropischen Polizisten, die Geld von mir verlangten, bevor ich einen lokalen Polizeioffizier befreunden konnte, musste ich schon über den fairen Preis zugedrückter Augen diskutieren, wobei es meist um selbständig erwerbende Jungen im Graubereich zwischen zwölf und sechzehn ging.
Qatar Airways
Business nach Doha! Ich fliege gern und habe mir shota Mangas in mein Tablet runtergeladen. Kopfhörer mit active noise control: ich liebe 1970s dub. Warum an morgen denken?
Verglichen mit der nicht schlechten Lounge in Frankfurt ist die Lounge in Doha ein Traum: Am Rande eines riesigen Wasserbeckens informiere ich mich über die Situation in Mocímboa: Alarmstufe Rot.
Business von Doha nach Maputo. Im Halbschlaf träume ich von Ruslan. Anders als Albert entkleidete ich Ruslan nicht seiner Menschenwürde, wenn ich ihn auszog, sondern genoss seine Schönheit und, dass er gleichzeitig unerfahren prüde und fantasievoll pervers ist. Will ich Ruslan zurück?
Als ich frühmorgens die Augen öffne und die Fensterblende ein Stück hinaufschiebe, sehe ich rechts von uns den Kilimandscharo. Turbulenzen: Ladies and gentlemen, this is your captain speaking. We are experiencing some turbulence. Please return to your seats and fasten your seatbelts securely. For your safety, we also ask that you stow away any loose items and ensure your tray table is in the upright position. Thank you for your cooperation.
[Meine Damen und Herren, hier spricht Ihr Kapitän. Wir durchfliegen Turbulenzen. Bitte kehren Sie zu Ihrem Sitzen zurück und schnallen Sie sich an. Zu Ihrer Sicherheit bitten wir Sie ausserdem, lose Gegenstände zu verstauen und sicherzustellen, dass Ihr Tischchen geschlossen ist. Danke für Ihre Kooperation.]
Maputo Executivo 2000 Lounge
Um acht Uhr morgens komme ich ausgeruht in Maputo an. Ein Herr in dunklem Anzug und zwei Soldaten in Kampfanzügen führen mich im Laufschritt abseits der Zoll- und Passkontrolle durch ein NO ENTRY Büro mit verwaisten Schreibtischen in die spartanische Executivo 2000 Lounge für nationale Flüge. Während ich einen hoffentlich aus einheimischem Kaffee gebrauten Espresso trinke, kommen ein Offizier mit goldenen Schnüren, Litzen und Orden behängt wie ein Christbaum und ein kräftiger junger Soldat, der einen schweren deployment bag trägt, auf mich zu. Der Soldat sagt, Mr Philip? Der Offizier schnarrt was auf portugiesisch, was ich nicht verstehe, der Soldat übersetzt: This is your bag, thank you! Worauf sie salutieren und verschwinden. Ich öffne den Reissverschluss des deployment bags ein Stück weit und taste herum: Das versprochene Material!
LAM – Linhas Aéreas de Moçambique
TM 460 hätte kurz vor vier nach Pemba fliegen sollen. Fliegen wir um sechs? um sieben? um acht? oder erst morgen früh? Die MitarbeiterInnen von LAM haben keine Ahnung. Mal schauen sie in den Computer, mal sprechen sie am Telefon… ich verstehe: es sind gute Stellen, der Job steht im Vordergrund. Ob wir jetzt oder bald oder später oder morgen fliegen… sind wir nicht alle in Gottes Hand? worüber beschweren sich Menschen, die sich leisten können, in der Welt rumzufliegen? Ist das LAM Personal verantwortlich für was Verwandte von Verwandten eines Ministers in einem Glashochhaus in Maputo entschieden haben? Wer nach Pemba fliegen will, soll froh sein, dass LAM nach Pemba fliegt.
Irgendwann muss es dann ganz schnell gehen und wir sind in der Luft. Zweieinhalb Stunden in dem heissen nach Insektenspray riechenden Flugzeug. Die von zuviel Sonne und zuviel Alkohol geröteten Gesichtern der weissen old hands und die massiven vierundzwanzig Karat Goldringe der schwarzen Regierungsbeamten markieren Mosambiks Platz entre a espada [zwischen einem Schwert: die fremden Ausbeuter] e a parede [und der Wand: die lokale Elite].
Pemba Airport
Wir landen nach ein paar heftigen Hüpfern. Während die TouristInnen klatschen, öffnen die old hands schon die overhead bins. Sobald die Türen offen sind, rieche ich: AFRIKA! Es ist heiss. Auf mich wartet im Schatten des Flughafengebäudes ein lächelnder schlanker junger Mann in engem weissem Hemd und engen schwarzen slacks von Flyindico mit einem Schild PHILLIPP ETER, der mich zu einer einmotorigen Turboprop Cessna führt, in der schon ein paar Männer und Frauen sitzen; die hintersten Sitze und der hinterste Teil des Ganges sind mit Bündeln, Taschen und Kartons gefüllt. Eine Viertelstunde später sind wir in der Luft.
Wenn ein Flugzeug zwanzig Jahre oder dreissig geflogen ist, nimmt dann die Absturz-Wahrscheinlichkeit zu oder ab? Mangels Internet im Flugzeug kann ich kimi.com nicht fragen. Hat der liebe Gott entschieden, dass wir alle heute sterben werden? Die schlecht gewartete Kiste knallt in einen staubigen Hügel; meine Tasche mit den hundert Bündeln Hundertdollarnoten fliegt in die Büsche. Flinke kleine Jungen, barfuss und in im Schritt zerrissenen kurzen Hosen, schnappen sich je ein Bündel Noten... Schade wäre nur, wenn die Million verbrennt.
Mocímboa da Praia
Schlechtgelaunte Soldaten in grünen Kampfanzügen schauen mich misstrauisch an, während ein super sympathischer von Flyindico aufgebotener driver mir die Tasche abnimmt, Welcome to Mocímboa da Praia! sagt und mich zu einem neuen weissen Pickup führt. Der driver trägt ein sauberes gelbes T-Shirt mit einem Bob Marley Porträt und eine Mütze in Rastafarben, was machst du hier, Mister?
Ich: Ich bin Philip, wie heisst du?
Er: Jamal! magst du Musik?
Jamal öffnet die Fenster und dreht die Musik auf: Jah Will Mek A Way: Everything will be alright!
Die Strassen sind leer, mal ein paar hundert Meter geteert, dann wieder rote, staubige Erde. Am Strassenrand Kinder, junge Männer, Frauen. Von Zeit zu Zeit überholt uns ein Motorrad mit Jungen, die von den farbigen Badelatschen, den bunten Hosen, bis zur gigantischen Sonnenbrille ein einziges statement of style sind.
Jamal sieht wohin meine Augen gehen, gefallen dir solche Jungen? er lacht. Als er hält, um Wasser für uns zu kaufen, sind wir Brüder.
Jolly Beach Bungalows
Einstern plus. In dem offenen Empfang mit Theke stellt mich Jamal Musa und Yussuf vor; zwei fröhliche Teenager in Manchester United Fussballleibchen, die wissen, was in Mocímboa läuft. Während wir eiskaltes 2M Bier trinken, erklärt mir Yussuf, – mein Vater ist Polizist, – dass Niklas Werdlos letzte Woche mit einem Haufen Idioten und paar Huren aus Maputo hier landete und gleich wieder Richtung Marrupa abflog, wo es ein hunting camp gibt. – Wenn ein Deutscher hier entführt worden wäre, wüsste es mein Vater. – Hat der unglückliche Niklas Werdlos die Entführung inszeniert, um eine Kiste zur Seite zu schaffen? Liegt dem lieben Onkel Vorstandsvorsitzenden daran, seinen Neffen lebend wiederzusehen, oder bin ich ausgewählt worden, weil in US-Fernsehkrimis meist der schwarze buddy des weissen cops ins Gras beisst? Jamal und ich tauschen unsere Telefonnummern aus.
Bungalow 1
Der Bungalow mit Blick aufs Meer liegt direkt am Traumstrand, aber bei Alarmstufe Rot zöge ich ein Hotel vor, das von einer hohen mit Glasscherben gekrönten Mauer umgeben ist und von bulligen securities bewacht wird. Ich warte auf den Anruf der Entführer. Soll ich Musa und Yussuf bitten, zur Sicherheit in meinem Bungalow zu übernachten?
Die Jolly Beach Bungalows sind gemäss TripAdvisor die beste Unterkunft am Ort: Die Klimaanlage tropft, das Badezimmer riecht wie ein Elefantenstall, über dem Bett Boote am Strand in Öl. Das Doppelbett mit dem aufgebundenen Moskitonetz kommt mir aus pornhub und xhamster bekannt vor. Der kleine Amtec Flachbild-Fernseher ist an der Wand befestigt; in der Fernbedienung fehlen die zwei AAA-Batterien. Bevor ich den deployment bag öffne, blockiere ich, mehr, weil ich es auf YouTube gelernt habe, als aus Überzeugung, die dünne Türe mit einem Kunststoffkeil von Temu. Ein fleissiger Goldhamster nagt in paar Minuten durch diese Türe, wenn ihn das Formaldehyd der Spanplatte nicht vorher tötet; ein gestresster Polizist hustet einmal und die Türe fliegt aus den Angeln. Die Wände sind ein Zentimeter Tropenholz; durch die Ritzen sehe ich das Meer. Ich öffne den militärgrünen deployment bag: Eine Leichtmaschinenpistole neuster Produktion, Munition und die paar Spielzeuge, von denen Warfare Fans träumen. Beim Duschen denke ich an Musa und Yussuf. Was läuft nachts am Strand? Das Auswärtige Amt warnt: Bei Spaziergängen an Stränden nach Einbruch der Dunkelheit und außerhalb der Hotelanlagen besteht eine erhöhte Gefahr, überfallen zu werden.
Nach einer halben Stunde Schlaf packe ich die schmutzigen Hundertdollarnoten in den deployment bag plus, was mir für das kommende Abenteuerchen nützlich scheint: die LMP mit Munition und ein grosses Keramikmesser, falls ich unterwegs frische Mangos sehe. Das Satellitentelefon stecke ich zum Aufladen ein.
Am Pool
Endlich auf einer weissen Kunststoffliege an einem aquamarinblauen Pool! Es ist heiss und im Schatten sitzen unter einem wirbelnden Ventilator zwei vom Schmutz der Welt nicht befleckte NGO Gutmenschen, die mit wenig mehr als einem iPhone und dem neusten MacBook Air bewaffnet gegen child prostitution kämpfen: gewissenlose TouristInnen – TripAdvisor Travel Notice: It is currently recommended to avoid all non-essential travel to this area. [TripAdvisor Reisehinweis: Derzeit wird empfohlen, alle nicht unbedingt notwendigen Reisen in dieses Gebiet zu vermeiden.] – verführen Schulkinder, die nicht zur Schule gehen dürfen, weil ihre Familien sich die obligatorische Uniform und die vorgeschriebenen Schuhe nicht leisten können. Bricht es nicht Ihr Herz, wenn arme Kinder am Strand irgendwie ein paar Dollar verdienen, statt ihre Eltern und ihre jüngeren Geschwister ehrlich verhungern zu lassen? Es geht uns alle an! Das Salär eines einzigen Gutmenschen würde zehn Familien ernähren und jedes MacBook Air würde Schuluniformen und Schuhe für eine ganze Schulklasse bezahlen. Volkswirtschaftlich analysiert, ist Prostitution die effektivste Entwicklungshilfe: wie vom Zauberstab einer gütigen Fee gelenkt, fliesst das Geld statt in den Apple Shop in die Taschen der Ärmsten!
Aus in den Bäumen versteckten Lautsprechern tönen mosambikische Hits. Ich vergesse, dass bald mein phone summen wird, und ergebe mich der coolen Musik und dem Blick auf den Pool.
Aus der Küche riecht es nach ranzigem Öl und angekohltem Fisch. Ein Militärhelikopter fliegt tief über das Hotel. Knallen die Islamisten uns ab, bevor ich Niklas, den wehrlosen Waffenhändler, aus ihren Fängen befreien konnte? Bin ich im Bungalow sicherer? Aber dann kommen zwei blonde Jungen und ein meine Mutter ist ein Supermodel und mein Vater ein Banker christliche Privatschule und POLO Poloshirt Farbiger… er ist der hübscheste der drei, aber der ältere der blonden Brüder ist so extrem mein Typ, dass ich mir überlege, ihn mir mit Waffengewalt zu schnappen und mit ihm und der Million abzuhauen, obwohl das heisere Stimmchen meines Gewissens mir rät, – aber auf mich hört ja kein Schwein – den Jungen vorgängig zu fragen, ob er mit mir durchbrennen möchte. Um mir später nicht vorwerfen zu müssen, ich hätte was unversucht gelassen, fege ich die tausendmal gewaschenen ursprünglich pool-blauen Jolly Beach Bungalows Frottiertücher dreier Unbekannter Touristen von drei weissen Kunststoffliegen nächst meiner und lade die Jungen ein, Platz zu nehmen. Der, der ganz mein Typ ist, wirft mir einen unfreundlich wissenden Blick zu. Sein jüngerer Bruder hält das plastifizierte Pool-Menü in den kleinen Händen und versucht, sich zwischen Fritten mit Ketchup und Fritten mit Mayo zu entscheiden, während der Farbige Musa, der mit einem Netz an einer langen Stange pool attendant spielt, auf portugiesisch befiehlt, ihre Liegestühle mit guten Frottiertüchern zu beziehen, und für alle drei Essen bestellt. Das mir verweigerte Lächeln schenkt mein Junge Musa, der meinem Jungen die Hand schüttelt, worauf beide sich ihre rechte Hands aufs eigene Herz legen. So rührend! Ein weisser Afrikaner!
Neben meinem deck chair liegt der deployment bag mit dem Lösegeld und der Leichtmaschinenpistole. First Things First: Soll ich den Entführern die Tasche mit Papierschnipseln gefüllt übergeben? Wenn sie Niklas trotzdem freilassen, bin ich eine Million reicher; wenn sie ihn nicht freilassen, darf ich es dann mit noch einer Million ein zweites Mal versuchen?
Wo finde ich genügend Papierschnitzel? Soll ich zuoberst eine Lage Hundertdollarscheine reinlegen? Hunderttausend sind tausend Scheine; wenn ich zehn Bündel aufschneide, sieht es nach einer Menge aus. Aber das Geld reut mich: wieviele beach boys kann ich mit hunderttausend aufreissen... und im Internet weitervermieten? Bed, Boy and Breakfast? In Mosambik? Gute Idee? Was sagt kimi.com? Wenn mir nichts einfällt, bin ich morgen oder übermorgen die Million los, und mit etwas Glück sind sechzigtausend auf meinem Revolut-Konto. Let's cross the bridge when we get to the river! [Lasst uns die Brücke überqueren, wenn wir am Fluss ankommen!]
Bezahlt der alte Werdlos jemanden, dass er ein Auge auf mich und das Geld hat? Ich schaue mir die Männer am Pool an: fällt mir ein frühpensionierter Bulle auf? Hat einer eine Einsatztasche dabei? Mein Hirn denkt an die Million, mein Schwanz an den Jungen, der total mein Typ ist. Haben die mordlustigen Terroristen am Ende Niklas bereits abgeknallt, weil er sie mit dem Wunsch nach dreilagigem Klopapier nervte? Schliesslich kommt Yussuf und sagt auf englisch zu meinem Jungen, Eure Eltern kommen erst nach dem Dinner zurück.
Mein Junge antwortet Yussuf lächelnd, umso besser, danke! und fragt dann den farbigen Jungen, sollen wir Falàfel Burger bestellen?
Ich spaziere mit der Tasche einmal um den Pool. Die Türe zur Pooltechnik steht offen. Eine solide Stahltüre mit einem kleinen Fensterchen… lässt sie sich von innen verriegeln? Allein mit meinem Jungen… Muss es mein Junge sein? sind nachts nicht alle Katzen schwarz?
Zurück auf dem Liegestuhl: Wann melden sich die vor nichts zurückschreckenden Entführer? Wo bekomme ich genügend Papier, um die Tasche gefüllt aussehen zu lassen? Wenn alles gut geht… wie komme ich mit dem Geld wieder aus Mosambik raus? Ein Freund eines Freundes soll irgendwo hier auf einem alten portugiesischen Flugfeld eine Flugschule betreiben. Ich sende dem Freund eine Telegram Message und bekomme gleich Henrys Nummer: +258 86 050 8292 Aerodromo de Quiterajo (früher Henry's Airfield).
Ein schlankes Kellnerchen, jünger als Musa und Yussuf, serviert den drei Jungen Falàfel Burger mit grob geschnittenen Fritten, Mayo und Ketchup. Die blonden Brüder schwatzen mit dem hübschen Kellnerchen auf englisch. Ich bestelle das gleiche. Der Jungkellner heisst gemäss Schildchen auf der muskulösen Brust Tommy. Er fragt mich mit warmer Stimme, wie lange bleibst du?
Ich: Paar Tage, ich bin Philip, Bungalow 1.
Tommy: Bis später Bruder!
Kleine Knallerei am Nachmittag
Erst knallt es weit weg und Tommy läuft weiter mit Drinks mit weissen Papierschirmchen und farbigen Glasgiräffchen um den Pool, doch bevor Tommy bei uns ankommt, knallt es näher, handgranatenmässig und Scheiben gehen in die Brüche. Ein Alarm heult los. Tommy stellt hastig seine Drinks ab und spurtet in die Küche. Ich greife mir meine Tasche, packe meinen Jungen am Arm, kommt mit!
Im Technikraum
Wir flüchten in den Technikraum, verrammeln die Türe von innen mit einer Gasflasche unter dem Türgriff, draussen Schüsse, Explosionen, Schreie, ein doofer Autoalarm winselt endlos, dann ein anderer. Der Technikraum ist L-förmig und riecht nach Chlor. Ich schiebe die drei Jungen in den sichersten Bereich. Mindestens vierzig Grad hier drinnen und trotz Chlor Mücken. An einer Wand leuchten auf einer Schalttafel rote und grüne LEDs. Ich gehe davon aus, dass ein paar verhetzte junge Männer auf einem rostigen Pickup die Jolly Beach Bungalows überfallen, – es gibt soviele unzufriedene Menschen auf der Welt und so viele Gründe unzufrieden zu sein, – aber dann macht es richtig BUMM! Artillerie!
Ich öffne den Reissverschluss meiner Tasche ein Stück weit und nehme die LMP raus und sage mir, ruhig verhalten und warten, bis alle tot sind.
Der Farbige sagt, es sind Islamisten, niemand weiss, was sie wollen.
Ich habe mich auf Wikipedia informiert und weiss über al-Shabaab Bescheid, aber was haben die bestenfalls einstern plus Jolly Beach Bungalows den Islamisten angetan? Ich schalte mein phone auf Batteriesparmodus. In der Tasche habe ich eine dicke power bank, aber trotzdem. Ich gehe davon aus, dass sie alle Hotelgäste umbringen werden, weil nur zwei-drei Tote die Medien nicht interessieren. Anschliessend wird die Armee auf alles schiessen, was sich bewegt, denn Soldaten und Polizisten ertragen nicht, wenn andere mehr töten als sie. Wir bewegen uns erst, wenn die Knallerei aufhört.
Der Farbige sagt auf englisch, wieso hast du eine Knarre dabei?
Ich: Wie heisst du?
Farbiger: Alvaro; er (mein Junge) ist Dave und der Kleine ist Willy.
Ich: Philip… ich bin Detektiv.
Alvaro: Polizei?
Ich: Privatdetektiv.
Dave: Was machst du hier?
Ich: Einen entführten Manager befreien.
Dave: Gegen Lösegeld?
Ich: Kannst du schweigen?
Dave fällt nicht rein: Ich auch. Was machen wir jetzt?
Ich: Wir haben eine zehnprozentige Chance zu überleben.
Willy beginnt zu weinen und jammert was, was wie Swahili tönt.
Alvaro zu Willy: Halt die Klappe! wir haben alle Angst und wollen nachhause.
Dave: Er will nicht nachhause.
Draussen schreien aufgeregte Männer herum. Aus den Lautsprechern in den Palmen tönt vielstimmig Hallelujah! Ich lege meinen Finger auf die Lippen. Hallelujah! Dave hält Willy den Mund zu. Hallelujah! Maschinengewehre, ich schätze noch nicht im Poolbereich. Hallelujah! Ich überlege mir, einen Chlorgaskanister vor die Türe zu schmeissen, aber was, wenn das schwere Gas unter der Türe durch in den Technikraum fliesst und uns umbringt? Hallelujah! BUMM! die LEDs an der Wand gehen aus und das Hallelujah verstummt. Im Raum ist es halbdunkel. Maschinengewehre näher. Handgranaten. Artillerie weiter weg.
Ich: Wir müssen warten, bis es aufhört, vorher knallen sie alles ab, was sich bewegt.
Alvaro: Die Islamisten?
Ich: Oder die Armee!
Dave: Es ist normal.
Ich: Was macht ihr hier?
Alvaro: Ich bin aus Maputo. Ich bin hier wegen Dave.
Ich: Freunde?
Dave: Wir sind wie Brüder.
Willy weint. Dave spricht ihm auf, ich denke, Swahili gut zu.
Im Hintergrund sehe ich eine weitere Stahltüre mit einem kleinen Fenster. Geht sie in einen Lagerraum oder in eine Garage? Ich schaue durch das Fensterchen und blicke in die Augen eines maskierten jungen Mannes, der gleich den Lauf eines Karabiners durch das Fenster schiebt. Ich tauche weg; Maschinenpistolenschüsse in der Garage und der Lauf verschwindet. Glück gehabt? Alvaro fragt, woher kommst du?
Ich: Aus der Schweiz; ich arbeite für eine deutsche Industrie.
Alvaro: Ich war mal an Weihnacht in London, aber es hat nicht geschneit.
Ich: In der Schweiz ist es auch kalt.
Alvaro: Dave und Willy sind Briten, in Kenia geboren.
Ich drehe den Kopf zu den Brüdern. Alvaro hat sein Telefon am Ohr, kein Empfang! Dann sagt er zu Dave, versuch mal deinen Vater!
Dave: Spinnst du?
Ich versuche Jamal anzurufen, aber komme nicht durch. Ich sage mir, solange wir noch leben, sind wir noch nicht tot. Wenn ich sterben muss, wäre mir lieber gewesen, dass die kleinen barfüssigen Jungen in zerlumpten Shorts sich mit der Million davon gemacht hätten.
Dann klingelt mein phone. Es ist Jamal: Bruder, bist du okay?
Ich: Im Augenblick sind wir in Sicherheit, aber wie kommen wir da raus?
Jamal: Wer ist wir?
Ich: Drei Jungen und ich.
Jamal lacht: Hast du das Geld noch?
Ich: Woher weisst du... holst du uns raus?
Jamal: Ausgangssperre... wenn ich einen HiLux mit ein paar Soldaten schicke, die euch rausholen, ist dir das je ein Bündelchen Noten wert?
Ich: Zehntausend?
Jamal: Pro Nase, weil du mein Bruder bist.
Ich: Können sie uns zu Henry's Airfield bringen?
Jamal: Exzellente Idee! Soll ich Henry anrufen, damit er ein Maschinchen auftankt? Vier Personen, kein Gepäck, nach Süden, okay? Ich rufe dich an, wenn die Männer unterwegs sind.
Habe ich nicht gesagt, wir hätten eine zehnprozentige Chance zu überleben?
Ich: Okay, einverstanden, vierzigtausend, vier Personen soweit wie möglich nach Süden, eine Tasche, herzlichen Dank!
Jamal: Für dich tue ich alles, Bruder!
Alvaro: Was hat er gesagt?
Ich: Jamal schickt ein paar Soldaten, die uns rausholen.
Alvaro: Wer ist Jamal?
Ich: Ein driver. Er hat mich hierher gebracht.
Alvaro: Wieviel verlangt er?
Ich: Zehntausend pro Person.
Alvaro: Du, Dave, Willy und ich?
Ich: Alle vier.
Alvaro: Mein Vater hat Geld.
Dave: Ich rufe meinen Vater nicht an.
Ich (ein schlechter Scherz): Du kannst mit deinem Körper bezahlen.
Dave: Lieber als meinen Vater anrufen.
Alvaro: Was soll das?
Dave: Aber Hände weg von Willy!
Ich: Du gefällst mir besser.
Alvaro: Gib mir Jamals Nummer! ich frage meinen Vater.
Alvaro ruft seinen Vater an – Alvaro spricht Portugiesisch; ich verstehe kaum ein Wort – und sagt nachher, mein Vater meint, wir sollen hier bleiben, bis die Lage sich beruhigt.
Ich: Ich habe Geld.
Alvaro zu mir: Wenn du Dave anrührst, lasse ich dich umbringen.
Ich zu Alvaro: Können wir später darüber sprechen?
Dave zu mir: Wann kommen sie?
Ich: Jamal ruft mich an.
Alvaro zu mir: Ich meine es ernst.
Dave gefällt mir, aber wenn es fifty-fifty steht, ob man vor dem nächsten Sonnenaufgang seinem Schöpfer gegenübersteht, soll man sich dann wegen einem Teenager mit glatten blonden Haaren, strahlend grünlichen Augen und einem schlanken sonnengebräunten Nacken eine Todsünde mehr aufs ohnehin schon arg befrachtete Gewissen laden?
Ich zu Alvaro: Du bist auch hübsch!
Alvaro: Red keinen Scheiss!
Ich: Was hat dein Vater sonst noch gesagt?
Alvaro: Mein Vater traut Jamal nicht.
Draussen scheint es ruhig, doch weiter weg Maschinengewehre und von Zeit zu Zeit BUMM! Können wir durch die Garage flüchten? Aber dann beginnt es zu regnen. In Strömen. Ist das gut oder schlecht?
Unter der Türe fliesst Wasser in den Raum. Bald ist der ganze Fussboden nass. Ich schultere den deployment bag wie einen Rucksack. Wir ziehen uns in eine noch trockene dunkle Ecke zurück, wo eine Myriade Moskitos schwärmen. Willy beginnt wieder zu heulen. Dave versucht, ihn zu beruhigen, erfolglos. Alvaro nimmt Willy in die Arme, singt was auf portugiesisch und schaukelt ihn wie ein Baby. Ich muss pissen.
Ich frage Alvaro, wenn ich in eine Ecke pisse, haust du mir dann eine leere Gasflasche über den Schädel?
Alvaro: Con certeza... sure! [Mit Sicherheit… bestimmt!] aber er hat Willy in den Armen.
Ich: Waffenstillstand, bis wir hier raus sind... einverstanden?
Alvaro: Einverstanden!
Während ich pisse, klingelt mein phone.
Alvaro: Soll ich abnehmen? Er setzt Willy ab und greift mir nicht diskret in die Hosentasche meiner cargo pants und nimmt mein phone ab, Jamal... einen Augenblick!
Sobald meine Hände frei, gibt mir Alvaro das phone.
Jamal: Wo seid ihr?
Ich: In einem Technikraum. Lass mich schauen, ob wir in die Garage kommen können... ich gehe zur Türe zur Garage. Sie ist verschlossen. In der Garage steht Wasser. Liegen in der Ausfahrt ein paar Tote? Will ich es wissen? Es regnet noch immer und wird dunkel... wir kommen nicht in die Garage. Könnte ihr uns am Pool holen?
Jamal: Nicht mit vier Männern! Es ist zu gefährlich, dafür brauchen wir zwei Fahrzeuge und mehr Männer. Die ganze Stadt ist gesperrt. Wir müssen die Soldaten bezahlen. Kannst du zehntausend drauflegen?
Ich zu Alvaro: Er sagt zehntausend mehr, weil sie die Soldaten bezahlen müssen...
Alvaro: Wenn du Geld hast... morgen wird es billiger sein, aber vielleicht sind wir dann tot.
Ich zu Jamal: Okay, zehntausend mehr. Wann kommt ihr?
Jamal: Ich komme nicht selbst. Seid ihr im Technikraum am Pool?
Ich: Genau.
Jamal: Vier Männer holen Euch. Das Passwort ist "Deus é o nosso Salvador" [Gott ist unser Retter]. Du antwortest "Grande é o Senhor" [Gott ist gross]. Wiederhole "Grande é o Senhor "[Gott ist gross]!
Ich: "Grande é o Senhor "[Gott ist gross].
Jamal: In einer halben Stunde. Sie bringen euch zu Henry's Airfield. Ich warte dort auf euch. Das Geld gibst du mir, niemand anderem, verstanden! Hält den Mund! Im Auto Köpfe runter! Niemand darf sehen, dass Weisse während der Ausgangssperre unterwegs sind.
Ich: Verstanden "Grande é o Senhor " [Gott ist gross] und den Mund halten.
Willy jammert was auf Swahili. Alvaro streichelt Willys Kopf, du hast schöne Haare!
Dave: Wie stehen unsere Chancen?
Ich: Fifty-fifty.
Dave: Dann überleben zwei von uns, richtig?
Alvaro: Red keinen Scheiss!
Ich: Im Augenblick sind wir sicher, aber wenn uns jemand entdeckt, können wir es vergessen.
Alvaro: Ich habe ein schlechtes Gefühl. Können wir nicht hierbleiben, bis es vorbei ist?
Ich zu Dave: Wenn sie uns rausholen, halte Willy fest und schau, dass er den Mund hält. Jamal sagt Mund halten und im Auto Köpfe runter.
Es knallt, aber es ist nur ein Blitz. Im Raum ist es dunkel. Wir warten stumm. Willy schläft. Alvaro und Dave haben sich in die dunkelste Ecke verzogen. Sie stehen nahe beieinander, Gesicht an Gesicht, ohne sich zu küssen. Alvaros linke Hand hält Daves rechte Hand, Daves linke Hand hält Alvaros rechte Hand. Sie sprechen leise miteinander. Will Alvaro Dave schützen? Möchte Dave Alvaro gehören? Ist Liebe nicht am schönsten, bevor man ausdrücken kann, was man fühlt?
Dann knallt es draussen und jemand tritt gegen die Türe Richtung Pool, "Deus é o nosso Salvador " [Gott ist unser Retter].
Die Flucht
Ich packe meine Waffe in die Tasche, antworte, "Grande é o Senhor " [Gott ist gross], schiebe die leere Gasflasche weg und öffne die Türe. Draussen stehen vier Soldaten mit LMPs am Anschlag. Sie sehen aus wie Mörder auf Speed und packen je einen von uns, reissen uns im Laufschritt über die regennasse Umfassung des Pools, durch den offenen Empfang und schmeissen uns auf die hintere Bank eines grünen HighLux mit laufendem Motor, eingeschalteten Scheinwerfern und blendenden Zusatzscheinwerfern über der Frontscheibe. Zwei Soldaten drängen sich rechts neben den Fahrer, die andern zwei springen auf die Brücke. Dann rasen wir durch nicht beleuchtete Strassen. Es regnet gleichmässig; rechts und links spritzt Wasser mannshoch, hinter uns ein zweiter grüner HighLux. Die Soldaten riechen nach Zigaretten, Bier, öligem Essen und Schweiss. Dave, der rechts von mir sitzt, sagt leise, das sind keine regulären Soldaten, Vorsicht!
Alvaro, der links von mir am Fenster sitzt, sagt, halt das Maul! Köpfe runter!
Der Soldat, der fährt, rast quer über dunkle Kreuzungen wie in einem Video-Game; dann halten wir an, die Soldaten springen von der Brücke und räumen eine Sperre zu Seite. Dann wieder Vollgas über eine leere geteerte Strasse. Es giesst; die Scheibenwischer spielen verrückt. Wegen dem deployment bag auf meinem Rücken kann ich nicht aufrecht sitzen. Köpfe runter! Ich halte mich an den Kopfstützen der Bank vor mir. Willy weint und seine shorts zeigen, dass er sich vollgepisst hat. Vollgas über eine nicht geteerte Strasse mit wassergefüllten Schlaglöchern. Wir fliegen auf der Sitzbank herum. Dann knallt es. Die Windschutzscheibe hat ein Loch. Der linke Scheibenwischer fällt aus. Die Soldaten auf der Brücke schiessen zurück. Alvaro stöhnt und krümmt sich zusammen. Ich sehe, dass er blutet, doch das Auto schüttelt so, dass ich ihm nicht helfen kann.
Ich (leise zu Alvaro): Bist du okay?
Alvaro (leise zu mir): Nein; sag meinem Vater, er soll für Dave und Willy sorgen.
Ich (leise zu Alvaro): Alles wird gut. aber auf der schmutzigen Gummifussmatte glänzt Blut. Alvaro sinkt vornüber. Ich versuche ihn mit einer Hand zu halten, damit er nicht vom Sitz fällt, doch ich muss mich mit beiden Händen festhalten. Dave versucht Willy zu halten; wir werden herumgeschleudert; es gibt keine Hilfe.
Es hört auf zu regnen. Fahren wir eine Stunde? anderthalb Stunden? Der HighLux rast (aber die Nadel des Kilometerzählers zeigt selten mehr als vierzig Stundenkilometer an) über eine Naturstrasse aus rotem Schlamm mit tiefen Längs- und Querrillen. Ich sehe nur, was im Scheinwerferkegel ist. Links und rechts Dunkel. Busch? Urwald? Mein Telefon hat keinen Empfang. Das Auto schüttelt so, dass ich die Einstellungen nicht öffnen kann, um eine Verbindung zu suchen. Alvaro stöhnt. Ich will den Soldaten, der fährt, bitten, in der nächsten Ortschaft, wo es ein Spital oder einen Arzt gibt, anzuhalten, aber der Soldat hat genug damit zu tun, wassergefüllten Löchern auszuweichen und tiefen Gräben längs und quer zur Piste. Hört er mich nicht oder versteht er kein Englisch? Wir rasen durch Armeeposten, wo Soldaten auf grob gezimmerten Bänken schlafen: zwei drei Hütten am Rande der Strasse, ein kleiner Laden, eine Missionskirche… schon sind wir vorbei.
Ich denke, sobald wir ankommen…
Aber als wir an Henry's Airfield ankommen, bewegt sich Alvaro nicht mehr.
Henry's Airfield
Neben Jamal stehen Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag. Ein Soldat hebt Alvaro aus dem HiLux und legt ihn unter das Vordach einer langen, rot gestrichenen Holzbaracke an der in grossen handgemalten weissen Buchstaben steht BEM-VINDO AO AERÓDROMO DE QUITERAJO. Darunter kaum noch lesbar: Henry's Airfield and Flying School. Jamal zieht mich ins Büro; Dave und Willy folgen mir. Jamal schliesst die Türe, fünfzigtausend!
Ich gebe Jamal fünf Bündel Noten. Er geht raus. Die zwei grünen HiLux rasen davon. Dann kommt ein Farbiger, ich bin Henry, der Pilot. Wir fliegen, sobald es hell wird, okay? Wollt ihr was trinken?
Ich: Was machen wir mit Alvaro?
Peter: Dem Toten? Hat er Familie?
Dave: Er heisst Alvaro Ferreira Gomes; er ist aus Maputo; ich habe die Nummer seines Vaters.
Henry gibt Dave ein Papier und einen Kugelschreiber, dein Freund? Schreib alles auf!
Dave: Ja, mein Freund. Dave ist bleich. Er malt langsam dekorative Buchstaben auf das Papier; jedes Zeichen zieht er mehrmals nach. Ein weisser Afrikaner! Ich gehe raus, um nach Alvaro zu schauen.
Alvaro liegt jetzt mit einem grünen Leintuch zugedeckt auf einer Bahre. Dave kommt, kannst du bitte Alvaros Vater anrufen? Dave gibt mir den Zettel mit der Nummer.
Ich schalte mein phone an und wähle die Nummer von Alvaros Vater: Mr Ferreira?
Alvaros Vater: Ja, das bin ich. Wer spricht? Woher hast du meine Nummer?
Ich: Mein Name ist Philip Etter. Bitte entschuldigen Sie die Störung; es geht um Alvaro. Wir sind in Quiterajo, südlich von Mocímboa da Praia....
Alvaros Vater: Ist Alvaro okay?
Ich: Auf der Fahrt von den Jolly Beach Bungalows hierher sind wir beschossen worden.
Alvaros Vater: Ist Alvaro verletzt? Wo ist er jetzt?
Ich: Hier auf dem Airfield. Ich bedauere, Mr Ferreira... Alvaro wurde im Auto getroffen.Er ist tot.
Alvaros Vater: Jamal ist ein geldgieriger Narr. Ich habe Alvaro gesagt, er soll im Hotel bleiben.
Ich: Es tut mir unendlich leid, Mr Ferreira.
Alvaros Vater: Wer hat ihn erschossen? Was sage ich seiner Mutter?
Ich: Vermutlich Islamisten. Im Hotel sind viele Leute umgekommen. Jamal hat zwei Wagen mit Soldaten aufgeboten, aber wir wurden beschossen. Bevor er starb, hat Alvaro mich gebeten, Sie zu bitten, dass Sie für Dave und Willy sorgen möchten.
Alvaros Vater: Und was ist mit Alvaro? Ihr müsst nach Maputo fliegen, damit wir ihn hier beerdigen können. Ich bezahle den Flug und was auch immer. Ist Jamal bei dir? Ich will mit Jamal sprechen!
Ich: Einen Augenblick, ich suche Jamal. Ich gehe ins Büro, wo Jamal und Henry daran sind, den Flug vorzubereiten. Draussen ist es dunkel. Henry hat ein Funkgerät in der Hand.
Ich zu Jamal: Alvaros Vater will mit dir sprechen. Ich gebe ihm das phone.
Jamal spricht mit Alvaros Vater: Ja, Senhor Jaime... wenn Senhor Jaime... ich frage Henry...
Jamal spricht mit Henry Swahili, dann portugiesisch mit Alvaros Vater, Henry sagt, er kann eine alte Cherokee ausleihen, eine Zwischenlandung zum Auftanken, fünfzehntausend Dollar... okay?
Jamal gibt mir das phone zurück. Alvaros Vater hat aufgehängt.
Jamal sagt, ihr müsst nach Maputo fliegen.
Ich: Was ist mit Dave und Willy?
Jamal: Deine kleinen Freunde?
Ich zu Jamal: Alvaros Freunde (zu Dave, der neben mir steht), wenn wir Alvaro nach Maputo bringen, kommt ihr mit?
Dave zu mir: Was sonst?
Jamal: Es gab viele Tote. Eure Eltern sind vermutlich auch umgekommen. Tut mir leid. (zu mir) Wenn die zwei dir gefallen, nimm sie mit. Ich stehe nicht auf kleine Jungen.
Dave und Willy reagieren nicht. Haben sie nicht verstanden?
Dave: Alvaro war mein Freund.
Ich: Alvaro wollte, dass sein Vater für euch sorgt.
Dave: Alvaros Vater mag mich nicht. Hoffentlich sind unsere Eltern tot, sonst müssen wir ins Internat zurück. Können wir bei dir bleiben?
Ich: Ich bin schwul... stört dich das nicht?
Dave: Ich kann mich wehren, aber Hände weg von Willy!
Henry: In einer halben Stunde starten wir. Am Nachmittag sind wir in Maputo. Geht noch pissen! (zu Dave) du und dein Bruder auch!
Piper Cherokee
Das Flugzeug wurde gemäss graviertem Alu-Typenschild 1977 gebaut. Mit drei Sitzen raus gehen die Bahre mit Alvaro, plus Henry, Dave, Willy und ich rein. Dave und Willy teilen sich in einen Platz. Willy sitzt zwischen Daves Beinen. Henrys Leute trocknen die Flügel. Ich versuche wieder auszurechnen, ob ein altes Flugzeug wahrscheinlicher abstürzt als ein neues, aber Mathe war nie meine Stärke. Die Graspiste ist uneben; irgendwie kommen wir in die Luft. Als die Kiste die Räder einzieht, rumpelt es so, dass ich denke, ich müsse nie mehr eine Steuererklärung ausfüllen.
Unter uns wird es morgen. Wir fliegen tief, die Luft ist klar; ich sehe Kinder auf dem Weg zur Schule, Büffel unterwegs zum Fluss. Jede Hütte, jeden Trampelpfad sieht man. Dave will Willy was zeigen, aber Willy schläft.
Dave zu mir: Schockiert dich, dass ich hoffe, dass unsere Eltern tot sind?
Ich: Normalerweise...
Dave: Unsere Eltern sind nicht normal. Die Schule...
Ich: Welche Schule?
Dave: Ein Internat für Missionarskinder... mein Vater ist evangelikaler Missionar...
Ich: Und deine Mutter?
Dave: Für meine Mutter bin ich Satan leibhaftig.
Ich: Was hast du verbrochen?
Dave: Ich glaube nicht mehr an einen blonden Jesus mit blauen Augen.
Ich: Ich auch nicht. Ist das alles?
Dave: Meine Mutter las Whatsapp Messages, die mir Alvaro schrieb.
Ich: Verstehe. Haben deine Eltern dir verboten, mit Alvaro zu verkehren?
Dave: Nein... Alvaros Eltern sind reich...
Ich: Wie reich?
Dave: Super reich. Wenn Alvaros Vater jemandem in Nairobi einen Wink gibt, schmeissen sie meine Eltern aus Kenia raus.
Ich: Bist du schwul? Glaubst du, dass du schwul bist?
Dave: Egal. Ich komme sowieso in die Hölle.
Ich: Wie alt bist du?
Dave: Fünfzehn, aber ich weiss es, seit ich zwölf bin.
Ich: Wie hast du es gemerkt?
Dave: Ich habe es nicht gemerkt; mein Vater hat es meiner Mutter gesagt, und meine Mutter dem Schuldirektor, der allen Lehrern, die allen Schülern, die es mir hundertmal pro Tag gesagt haben. God is Love Gospel Academy, die schlimmste Schule überhaupt.... Hasse deinen Nächsten mehr als dich selbst! wie waren deine Eltern?
Ich: Meine Eltern waren nie verheiratet. Ich bin eine Zeitlang bei meiner Mutter aufgewachsen, dann bei ihrem Bruder, meinem Onkel.
Dave: Warum?
Ich: Ich vertrug mich nicht mit meinem Stiefvater. Mein Onkel war immer auf meiner Seite.
Dave: Da hast du Glück gehabt.
Habe ich Glück gehabt? Meine Mutter wollte vergessen, dass sie mit neunzehn das Kind eines Schwarzen zur Welt gebracht hatte; meinem Stiefvater war ich im Weg; mein Onkel behandelte mich wie ein ihm zugelaufenes, nicht stubenreines Hündchen. Wenn ich Mist baute, sagte er, mach dir keine Sorgen! in deinem Alter war ich schlimmer.
Am Horizont geht die Sonne auf. Ich sage zu Dave: Schau mal raus! Die Sonne geht auf.
Dave: Schön! Wenn wir nicht bei Alvaros Eltern bleiben können, nimmst du uns nach Europa mit? Wir haben britische Pässe, aber sie sind im Hotel.
Ich: Habt ihr Verwandte in England?
Dave: In Schottland. Eine Grossmutter, ein paar Tanten, einen Onkel in einer Irrenanstalt. Wir wollen nicht nach England. Können wir bei dir bleiben?
Bittere Erfahrungen haben mich gelehrt, nicht zu glauben, dass jemand der dich liebt, weil er Probleme hat, dich noch liebt, wenn du seine Probleme gelöst hast. Ruslan war wenigstens spitze im Bett.
Ich: Keine gute Idee.
Dave: Wegen Willy. Jetzt wo Alvaro tot ist, ist mir egal, was du mit mir machst. Ich habe schlimmeres überlebt.
Eine Liebeserklärung tönt anders, aber was erwarte ich von einem Jungen, der neben der Bahre sitzt, auf der seine Erste Liebe liegt?
Ich: Lass uns hoffen, dass ihr bei Alvaros Eltern bleiben könnt. Ihr geht in die Schule. Alles gut!
Dave: Und wenn nicht?
Ich: Haben wir ein Problem.
Dave: Hilfst du uns oder nicht?
Dave ist extrem mein Typ, aber steigen nicht jeden Morgen genügend Aleksandrs, Andreys, Dmitriys, Sergeys und Vladimirs, die von einem besseren Leben träumen, in München aus dem Flixbus? Ich schaue zum Fenster raus. Ist es heiss da unten? Was bringt mir ein Junge, dem egal ist, was ich mit ihm mache, während er an Alvaro denkt? Ist Dave hübscher als Ruslan? Lohnt es sich? Und Willy? Warum soll ich mir die zwei Mühlsteine um den Hals hängen? Trouble will find you, no need to look for it! [Probleme finden dich, man braucht sie nicht zu suchen!]
Dave hat die Augen geschlossen und die Hände gefaltet; nur die Lippen bewegen sich. Betet er?
Ich: Was machst du?
Dave: Ich bete, dass Jesus dir ein Zeichen gibt.
Ich: Hast du nicht gesagt, dass du nicht an Jesus glaubst?
Dave: Nicht an einen blonden Jesus mit blauen Augen; ich glaube an einen coolen Palästinenser Jesus Sohn Marias mit einem kurzgeschnittenen Bart und Gaza-Halstuch, dreiunddreissig Jahre alt, Vegetarier. Er hilft mir immer.
Ich sage zum Spass: Wenn dein cooler Jesus mir ein Zeichen gibt, kümmere ich mich um euch.
Dave betet mit geschlossenen Augen. Tränen rollen über seine Wangen. Ein weisser Afrikaner! Er beginnt mir mehr als nur optisch zu gefallen; hat es mir den Ärmel reingenommen?
Dann macht mein phone PING! Telegram Message von Albert Olbrecht: Niklas ist soeben aus Mitwa kommend wohlbehalten in Dar es Salaam eingetroffen. Der Vorstandsvorsitzende lässt dir danken! Gratuliere, gut gemacht! Honorar wird morgen überwiesen. Lg Albert.
Hatte nach dem ersten BUMM! Niklas Werdlos die Nase und die Hosen voll? Hat er dem Haufen Idioten, die ihn angeblich entführt hatten, mit Tränen in den Augen seine Rolex Daytona Eye of the Tiger überlassen und ist, ohne auf der buchhaltérisch erforderlichen und für das Finanzamt Frankfurt am Main – Ihr digitales Finanzamt – unerlässlichen Quittung für das Lösegeld zu bestehen, von Sehnsucht nach der attraktiven philippinischen Nanny mit Touristenvisum ergriffen, in die erstbeste Maschine raus aus Mosambik gestiegen? Dass Niklas jetzt schwören muss, dass alles seine Richtigkeit hat, versteht sich das nicht von selbst?
Dave macht die Augen auf: Was ist?
Ich: Der entführte Manager ist heil in Dar es Salaam angekommen.
Dave: Und das Lösegeld?
Ich: Ist hier in meiner Tasche.
Dave: Gott ist unser Retter! Hilfst du uns jetzt?
Nicht im Traum glaube ich an Daves vegetarischen Falàfel Jesus, aber was kann ich antworten ausser: Gott ist gross!